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Die Textilflüsterin spricht über "Henriette, Hinter den Spiegeln der Macht".

Zuerst erschienen auf LinkedIn.

Die Textilflüsterin spricht...
... über "Henriette, Hinter den Spiegeln der Macht".
Ein Buch, das auf unerwartete Weise seinen Weg zu mir gefunden hat. Umso glücklicher macht mich, dass ich es nun in Händen halte.
Ein Buch, das perfekter nicht sein könnte für eine Frau wie mich, die meist in Führungspositionen war, und gelernt hat, sich selbst die größte Kritikerin zu sein.
Wenn ich in den Spiegel schaue, dann sehe ich dahinter die Frau, die ich lange Zeit meines Lebens war.
Ehrgeizig, aber nicht zu offensichtlich, das wirkt machtbesessen.
Zielstrebig, aber nicht zu direkt, das kommt karrieregeil.
Meiner Führungsrolle bewusst, aber bloß nicht zu deutlich, sonst gibt man ja die Gouvernante.
Strukturiert, aber getarnt mit ein wenig Nonchalance, sonst wirkt das pingelig.
Erfolgsquote: Bitte 100%!
Henriette: Zweiter Platz- Erster Verlierer!

Ja, so kickt die Konditionierung!
Einerseits das Mädchen, das brav Knickse macht, obwohl schon längst alle das für oldschool halten. Aber das wird von ihr erwartet, sonst ist man zuhause enttäuscht.
Andererseits volle Leistung, immer am Anschlag, immer ein bisschen mehr als alle anderen.
"Gutes Kind bringt das!"
"Was nicht tötet, härtet ab!"
Henriette zeichnet das Bild vieler Frauen, die im Machtkampf bestehen müssen und zeigen wollen, dass sie "ihren Mann" stehen können.
Doch hinter den Spiegeln erlebt Henriette die Wirklichkeit dessen, was das Anpassen, das Durchhalten, das Machthaben in ihr angerichtet haben und was sie selber damit anrichtet.
In Glitches (kleinen Störungen im System) gerät sie hinter die Spiegel und findet sich in einer parallelen Welt wieder.
Angelehnt an "Alice hinter den Spiegeln" bekommt die Protagonistin hier ihren Spiegel vorgehalten. Letztlich liegt es an uns selbst, ob wir diesem System genügen wollen, oder uns selbst treu bleiben/werden wollen.

Für mich ist der Spiegel mittlerweile nur noch ein Spiegel. Ein Dahinter gibt es nicht mehr, aber der Weg dahin war lange und nicht immer komfortabel. Weder für mich, noch für mein Umfeld.
Heute herrscht in mir und um mich herum Ruhe, selbstverständlich wird sich dies jedoch nie anfühlen.
Ja, in meinem früheren Ich war viel Henriette. Heute bin da "nur" ich. Weil ich erkannt habe, 100 % ist nicht. Ich darf scheitern, Fehler machen, müde sein, mal nicht funktionieren. Seitdem haben es auch die geliebten Menschen um mich herum bedeutend leichter.

Deshalb ist meine Antwort auf deine Frage:
Ja , ich glaube Henriette, denn sie ist die Verkörperung so vieler Frauen mit Führungsrolle und Einfluss. Mit großen Fähigkeiten und Fehlern.

Danke, HansJörg, dass du dieses Buch geschrieben hast. Es bringt Frauen wie Henriette Verständnis entgegen, ohne alles gut zu heißen oder gar zu entschuldigen. Du hältst uns den Spiegel vor, ohne zu verurteilen.